Anna-Lena Thömmes: Vom JCF Saar zur JuWöV – Engagement in der Chemie-Community

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Wissenschaftlicher Nachwuchs braucht mehr als exzellente Laborarbeit – er braucht Netzwerke, Sichtbarkeit und Räume, in denen fachlicher Austausch auf Augenhöhe stattfinden kann. Diese Strukturen entstehen nicht von selbst, sondern durch Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Energie in den Aufbau von Gemeinschaft zu investieren. Anna-Lena Thömmes gehört zu denjenigen, die diesen Schritt konsequent gegangen sind – vom lokalen Engagement im JCF Saar bis hin zur Übernahme des Vorsitzes der JuWöV auf nationaler Ebene. Ihr Wirken zeigt, wie wissenschaftliches Engagement und persönliche Exzellenz einander nicht ausschließen, sondern gegenseitig stärken können.

Nachwuchsförderung in der GDCh: Strukturen und Aufgaben

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker ist eine der größten chemischen Fachgesellschaften Europas und bietet ihren Mitgliedern ein dichtes Netz an Fachgruppen, regionalen Strukturen und Nachwuchsorganisationen. Gerade für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Promotions- oder Postdoc-Phase ist dieses Netzwerk von unschätzbarem Wert – als Plattform für fachlichen Austausch, für die Sichtbarkeit der eigenen Forschung und für die Entwicklung überfachlicher Kompetenzen, die im Wissenschaftsbetrieb zunehmend gefragt sind.

Innerhalb dieser Strukturen nimmt das Jungchemikerforum eine besondere Stellung ein. Es richtet sich an Chemikstudierende und junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bis zu einem Alter von 35 Jahren und versteht sich als Ort, an dem fachliche Inhalte mit persönlicher Vernetzung und beruflicher Orientierung zusammenkommen. Die regionalen Gruppen organisieren Vorträge, Exkursionen, Konferenzen und Workshops – oft in enger Zusammenarbeit mit den lokalen Hochschulen und Industriepartnern. Dass diese Arbeit funktioniert, hängt maßgeblich von den Personen ab, die bereit sind, Leitungsaufgaben zu übernehmen und Projekte mit echter Überzeugung voranzutreiben.

Was ist das JCF Saar und welche Rolle spielt es für junge Chemiker im Saarland?

Die regionale Gruppe des Jungchemikerforums an der Universität des Saarlandes vernetzt Chemikstudierende und Promovierende der Region, organisiert Vorträge und Veranstaltungen und pflegt den Kontakt zu anderen Gruppen im In- und Ausland. Für viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist sie der erste Berührungspunkt mit den Strukturen der organisierten Chemikergemeinschaft – und damit ein wichtiger Einstieg in ein Netzwerk, das die gesamte wissenschaftliche Karriere begleiten kann.

Vom ersten Engagement zur Sprecherinnenrolle

Anna-Lena Thömmes engagierte sich bereits ab November 2019 in der Saarbrücker Nachwuchsgruppe, also noch während ihres Masterstudiums. Dieser frühe Einstieg ist bezeichnend: Er zeigt, dass ihr Interesse an der wissenschaftlichen Gemeinschaft nicht erst mit der Promotion einsetzte, sondern tief in ihrer Haltung gegenüber Wissenschaft als gemeinschaftlicher Praxis verwurzelt ist. Von April 2021 bis März 2023 übernahm sie dann die Rolle der Sprecherin – eine Aufgabe, die neben der laufenden Promotionsarbeit erheblichen organisatorischen Einsatz erfordert.

In diese Zeit fiel auch die Organisation und Durchführung der „Curiosity“-Konferenz im Juli 2022, einem interdisziplinären Treffen junger Chemikerinnen und Chemiker im elsässischen Mülhausen. Die Veranstaltung entstand als Kooperation zwischen den Nachwuchsorganisationen der deutschen und der französischen Chemikergesellschaft und brachte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus beiden Ländern zusammen. Die Organisation einer internationalen Konferenz während der laufenden Promotion ist keine Selbstverständlichkeit – sie erfordert Planungsgeschick, diplomatisches Fingerspitzengefühl und die Fähigkeit, Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen für ein gemeinsames Projekt zu begeistern.

Die ChemScienceNight: Wissenschaft für Studierende öffnen

Ebenfalls auf ihre Initiative geht die „ChemScienceNight“ in Saarbrücken zurück, ein Diskussionsforum, das Studierende mit aktuellen Themen der Forschung in Berührung bringen soll. Das Format setzt auf offenen Austausch statt auf klassische Vorlesungsatmosphäre und richtet sich bewusst an Menschen, die noch am Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn stehen. Solche Formate sind in einer Zeit, in der Wissenschaftskommunikation zunehmend an Bedeutung gewinnt, wertvoller denn je – und ihr Erfolg hängt von Personen ab, die bereit sind, Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen.

Aufstieg in der Wöhler-Vereinigung für Anorganische Chemie

Parallel zum lokalen Engagement baute Anna-Lena Thömmes eine zunehmend wichtige Rolle in der Wöhler-Vereinigung auf – dem Fachbereich der organisierten deutschen Chemikergemeinschaft, der sich der anorganischen Chemie widmet und zu den renommiertesten Fachgruppen zählt. Innerhalb dieser Vereinigung existiert mit der Nachwuchsorganisation JuWöV eine eigene Struktur, die sich an Promovierende und Postdocs im Bereich der anorganischen Chemie richtet und bundesweit aktiv ist.

Ab November 2024 übernahm sie eine offizielle Organisationsrolle, und seit Januar 2026 hat sie den Vorsitz inne. Dieser Schritt markiert einen bedeutsamen Punkt in ihrer Karriereentwicklung: Es ist eine Position mit nationaler Reichweite und Sichtbarkeit, die Kontakte in die gesamte deutschsprachige Gemeinschaft der anorganischen Chemie eröffnet. Gleichzeitig bedeutet sie Verantwortung – für die Ausrichtung von Veranstaltungen, die Vernetzung von Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern und die Repräsentation junger Forschender gegenüber den etablierten Strukturen der Fachgesellschaft.

Die Stationen ihres Engagements im Überblick:

  • Ab November 2019: Organisatorische Rolle in der Saarbrücker Nachwuchsgruppe
  • April 2021 bis März 2023: Sprecherin des JCF Saar
  • Juli 2022: Mitorganisatorin der „Curiosity“-Konferenz in Mülhausen
  • Ab Oktober 2024: Stellvertretende Sprecherin der regionalen Gruppe
  • Ab November 2024: Organisatorische Rolle in der JuWöV
  • Ab Januar 2026: Vorsitzende der JuWöV

Stipendien, Konferenzen und internationale Vernetzung

Das ehrenamtliche Engagement beschränkt sich nicht auf organisatorische Aufgaben im engeren Sinne. Sie hat auch aktiv daran mitgewirkt, den wissenschaftlichen Austausch zwischen Nachwuchsforschenden auf internationaler Ebene zu fördern. Als Kekulé-Stipendiatin des Fonds der Chemischen Industrie nahm sie von 2021 bis 2023 am regionalen Stipendiatinnentreffen in Mainz teil – einer Veranstaltung, die den Austausch zwischen geförderten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern ermöglicht und über die sie gemeinsam mit Elisabeth Quraishi in den „Nachrichten aus der Chemie“ berichtete.

Darüber hinaus war sie auf zahlreichen internationalen Konferenzen präsent – von Prag über Wellington bis Vancouver – und nutzte diese Auftritte nicht nur zur Präsentation eigener Forschungsergebnisse, sondern auch zur aktiven Vernetzung mit der internationalen Gemeinschaft. Mehrere Posterpreise, darunter Auszeichnungen beim ICOMC 2022, beim IRIS16 in Graz und beim ICCOC-GTL17 in Wellington, unterstreichen, dass ihre wissenschaftliche Arbeit dabei stets im Vordergrund stand.

Wissenschaft als gemeinschaftliche Praxis

Was das Engagement von Anna-Lena Thömmes von bloßem Pflichtbewusstsein unterscheidet, ist die erkennbare Überzeugung, die dahintersteht. Wissenschaft ist für sie keine Einzelleistung, sondern eine gemeinschaftliche Praxis, die von Austausch, gegenseitiger Unterstützung und dem Aufbau tragfähiger Strukturen lebt. Diese Haltung spiegelt sich in jedem der Formate wider, an denen sie beteiligt war – von der kleinen Diskussionsrunde im Saarbrücker Hörsaal bis zur internationalen Konferenz im Elsass.

Mit dem Vorsitz der Nachwuchsorganisation hat sie nun eine Bühne, auf der sie diese Überzeugung auf nationaler Ebene einbringen kann. Für eine Wissenschaftlerin, die gleichzeitig an einer Professur in der anorganischen Chemie arbeitet, ist dieses Engagement mehr als ein Nebenprojekt – es ist Teil eines kohärenten Bildes von dem, was exzellente Wissenschaft bedeutet: fachliche Tiefe, methodische Breite und die Bereitschaft, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, in der man forscht und lernt.